WB SOS Frankfurt

Wettbewerb SOS Kinderdorf Frankfurt, 2012

Bauherr: SOS-Kinderdorf e.V.
3. Preis

Bauaufgabe:
In einem baulichen Ensemble aus historischem Altbau und Erweiterung- bzw. Verbindungsbauten sollen eine Kindertagesstätte sowie ein Kinder- und Familienzentrum realisiert werden. Dieses soll neben Angeboten der Eltern- und Familienbildung auch Erziehungs- und Familienberatung bieten. Zusätzlich soll als „Stadtteiltreffpunkt“ für Familien, Kinder, Jugendliche und Senioren ein offener Treffpunkt angeboten werden.

Städtebau:
Der Ort wird stark durch das historische, ehemalige Fabrikgebäude mit seiner markanten Front zur Alt-Sossenheimerstraße geprägt. Der nordöstliche Grundstücksbereich ist eher ungefasst und heterogen und wird lediglich mit der bestehenden Platane aufgewertet. Mit dem Neubau des Familienzentrums wird der Versuch unternommen, dem Bereich eine klare städtebauliche Fassung zu geben. Die offene Front zur Sossenheimer Riedstrasse wird geschlossen, Neu- und Altbau mit Platane bilden so ein städtebauliches Ensemble.

Konzept:
Der Neubau fügt sich durch Aufnahme von Gebäudefluchten selbstverständlich in die Umgebung ein, gleichzeitig werden die Straßenkanten akzentuiert und damit Offenheit signalisiert: eine neue Mitte entsteht, ein Platz der Begegnung für Jung und Alt, für unterschiedliche Konfessionen und ethnische Gruppen – damit wird dem Grundgedanken von SOS Kinderdorf in architektonischer und funktionaler Form Rechnung getragen. Mit dem baukörperlich ausgeformten Platz wird eine klare Erschließung aufgezeigt.

Funktionalität und Organisation:
Im Neubau ist das Familienzentrum untergebracht. Im straßenseitigen Kopf befindet sich das erdgeschossige Cafe welches den Hofbereich belebt, über die einladende zentrale Halle wird der gesamte Komplex mit kurzen Wegen erschlossen. Kurs- und Mehrzweckraum befinden sich zusammen mit der Beratung im Obergeschoss, über eine Brücke wird der Bestand erschlossen. In diesem ist die Kindertagesstätte untergebracht, Fachräume befinden sich im Erdgeschoss, Verwaltung und Besprechungszimmer im Obergeschoss. Der Haupteingang von der Alt-Sossenheimerstraße bleibt weiterhin bestehen.

Gestaltung und Denkmalschutz:
Analog dem Städtebau fügt sich der Neubau auch in seiner Gestaltung in die Umgebung ein, und setzt gleichwohl neue architektonische Akzente: Die Lochfassade ist mit zurückhaltendem, hellem Sandstein verkleidet und nimmt dabei Farbgebung wie auch Fassadenduktus der Umgebung auf. Die Traufhöhen vom Bestand werden beibehalten. Mit dem polygonalen Grundriss, der bewegten Dachlandschaft wie auch den markanten großen Öffnungen der publikumsorientierten Bereiche wird ein spannender Dialog mit dem historischen Bestand gesucht.

Aussenanlagen:
Der Vorplatz wird als befestigte Fläche mit großformatigen Beton-Werksteinen mit Rasenfugen sowie Pflanz- und Rasenbeeten gestaltet. Spielzonen mit Klettergerüsten und Spielgeräten werden als Sand- bzw. Rasenflächen ausgeführt. Niveauunterschiede werden durch flache Stufen ausgeglichen, die auch zum Sitzen und Verweilen einladen. Unauffällige Rampen sichern die barrierefreie Erschließung. Konstruktion, Materialwahl Die Primärkonstruktion bildet ein Stahlbeton-Skelett mit aussteifenden Wänden und Schotten. Das teilweise geschosshoch verglaste Erdgeschoss wird durch eine Pfosten-Riegel-Fassade ausgebildet. In den weiteren Nutzräumen ist eine Loch- bzw. Bandfassade vorgesehen. Die geschlossenen Wände sind homogen mit hellem Naturstein (Sandstein) verkleidet, wodurch Bezug zum historischen Bestand aufgenommen wird.

Energiekonzept:
Die kompakten Baukörper bieten die Voraussetzung, um den energetischen Anforderungen (ENEV 2009 – 30%) gerecht zu werden. Durch mechanische Be- und Entlüftung kann auch Passivhausstandard erreicht werden. Die Gebäudehülle ist hochwertig gedämmt. Für ein behagliches Raumklima ist eine Bauteilaktivierung von Wand- und Deckenflächen sowie teilw. Fußbodenheizung in publikumsintensiven Bereichen eingeplant, für die schnelle Regulierbarkeit sind jedoch auch konventionelle Heizkörper vorgesehen. Ein Gas-Brennwertkessel bildet die gemeinsame Heizzentral mit dem Bestand.